Die richtige Bildschirmwahl im Digital Signage: Größe und Pixeldichte im Kontext der Betrachtungsentfernung

Einleitung

Die optimale Wirkung von Digital Signage steht und fällt mit der Auswahl des richtigen Bildschirms. Dabei sind nicht nur technische Parameter wie Helligkeit, Konnektivität oder Montageart relevant – besonders entscheidend sind die Größe des Displays und dessen Pixeldichte im Verhältnis zur typischen Entfernung des Betrachters.
Ob kleine Infoterminals im Kassenbereich, interaktive Touch-Displays in der Unternehmenslobby oder großformatige LED-Walls an Bahnhöfen und auf Plätzen: Die richtige Kombination aus Größe und Auflösung sorgt für gute Lesbarkeit, optimale Bildwirkung und ein überzeugendes Nutzererlebnis.
In diesem Fachartikel erfahren Sie, wie Sie anhand der Betrachtungsdistanz die passende Bildschirmgröße und Pixeldichte für Ihr Digital Signage Projekt wählen – von kleinen Monitoren bis zu riesigen LED-Wänden.


1. Warum ist die Betrachtungsentfernung so wichtig?

Die Entfernung zwischen Betrachter und Display beeinflusst maßgeblich, wie Inhalte wahrgenommen werden.

  • Zu kleine Displays wirken aus größerer Distanz verloren – Texte, Grafiken und Details sind schlecht erkennbar.
  • Zu große Displays oder eine zu hohe Auflösung bei geringem Abstand sind ineffizient und kostenintensiv, da der Mehrwert für das Auge nicht nutzbar ist.
  • Pixeldichte (PPI, Pixel Pitch) entscheidet, ob das Bild als fein und scharf oder grob und pixelig erscheint.

Die Auswahl muss daher immer auf die typische Nutzungssituation abgestimmt werden:

  • Wie weit entfernt stehen oder gehen die meisten Betrachter?
  • Müssen Details (kleiner Text, feine Grafiken) erkannt werden oder reicht ein grober Überblick?
  • Ist das Display für Interaktion (Touch) gedacht oder nur zur Fernwirkung?

2. Grundlagen: Bildschirmgröße, Auflösung und Pixeldichte

2.1 Bildschirmgröße

Die Bildschirmdiagonale wird in Zoll („) angegeben und bestimmt maßgeblich die Bildfläche.
Typische Größen im Digital Signage:

  • Kleine Displays: 10–24″ (Info-Terminals, Kiosks, Regaldisplays)
  • Mittelgroße Displays: 32–65″ (Meetingräume, Retail, Info-Stelen)
  • Große Displays: 75–110″ (Foyers, Flughäfen, Videowalls)
  • LED-Walls: Modular, von wenigen bis zu mehreren hundert Zoll

2.2 Auflösung

Die Auflösung (z. B. Full HD = 1920×1080, 4K = 3840×2160) gibt an, wie viele Bildpunkte (Pixel) horizontal und vertikal dargestellt werden. Mehr Pixel bedeuten ein schärferes Bild – vorausgesetzt, der Betrachter ist nah genug, um den Unterschied wahrzunehmen.

2.3 Pixeldichte und Pixel Pitch

  • Pixeldichte (PPI): Pixel pro Zoll; je höher, desto feiner das Bild.
  • Pixel Pitch (bei LED-Walls): Abstand zwischen den Mittelpunkten zweier Pixel, meist in Millimetern (mm) angegeben. Je kleiner der Wert, desto höher die Auflösung auf gegebener Fläche.

3. Die Faustregel: Größe und Entfernung

Eine zentrale Faustregel für Digital Signage lautet:
Je weiter der typische Betrachtungsabstand, desto größer sollte das Display sein – und desto geringer kann die Pixeldichte ausfallen.

3.1 Empfohlene Bildschirmgrößen nach Betrachtungsabstand

BetrachtungsabstandEmpfohlene Bildschirmgröße
0,5 – 1,5 m10″ – 24″
1,5 – 3 m24″ – 43″
3 – 5 m43″ – 65″
5 – 10 m65″ – 98″
>10 m (LED-Wall)modular, mehrere Meter

3.2 Lesbarkeit von Text

Kleine Schriftgrößen werden aus der Entfernung schnell unleserlich. Als Richtwert gilt:

  • 1 cm Zeichenhöhe pro 3–4 Meter Betrachtungsabstand (für gute Lesbarkeit).
  • Beispiel: Ein Logo mit 10 cm Höhe ist auf 30–40 m noch gut erkennbar.

4. Pixeldichte und Pixel Pitch im Zusammenhang mit Entfernung

4.1 Pixeldichte für LCD/LED-Displays

Für klassische LCD/LED-Displays (z. B. 43″, 65″, 98″) ist die Pixeldichte meist hoch genug, dass bei typischen Betrachtungsabständen keine Pixel sichtbar sind.

  • Full HD (1920×1080) auf 43″: ca. 51 PPI – ideal für 2–3 m Abstand.
  • 4K (3840×2160) auf 65″: ca. 67 PPI – ideal für 2–4 m Abstand, auch für feine Grafiken.

Je näher der Nutzer (Touch-Displays!), desto höher sollte die Auflösung sein.

4.2 Pixel Pitch bei LED-Walls

Bei großformatigen LED-Wänden ist der Pixel Pitch (z. B. 1,5 mm, 2,5 mm, 4 mm, 10 mm) entscheidend:

  • Kleine Pixel Pitches (1–2 mm): Für kurze Distanzen (<3 m), z. B. in Foyers, Studios.
  • Mittlere Pixel Pitches (2–4 mm): Für 3–10 m Abstand, z. B. Messehallen, Retail.
  • Große Pixel Pitches (6–10 mm): Für >10 m, z. B. Outdoor-Werbung, Stadion, Public Viewing.

Faustregel:
Minimaler Betrachtungsabstand ≈ 1,5 x Pixel Pitch (in Metern).
Beispiel: Pixel Pitch 4 mm → optimal ab 6 m Entfernung.


5. Anwendungsbeispiele: Kleine Displays bis LED-Walls

5.1 Kleine Displays (10–24″)

Einsatz: Kiosks, Regaldisplays, Check-in-Terminals
Typische Entfernung: 0,5–1,5 m
Empfehlung: Hohe Auflösung (Full HD oder höher), hohe Pixeldichte, Touch-Funktion.
Vorteil: Feine Details, kleine Schrift, interaktive Bedienung.

5.2 Mittelgroße Displays (32–65″)

Einsatz: Info-Stelen, Meetingräume, Retail, Wegeleitung
Typische Entfernung: 2–5 m
Empfehlung: Full HD bis 4K, je nach Content und Design.
Vorteil: Große Bildfläche, vielseitige Einsatzmöglichkeiten.

5.3 Große Displays (75–110″)

Einsatz: Flughäfen, Bahnhöfe, Foyers, Videowalls
Typische Entfernung: 5–10 m
Empfehlung: 4K-Auflösung für brillante Darstellung, besonders bei textlastigen Inhalten.

5.4 LED-Walls (modular, mehrere Meter)

Einsatz: Stadien, Outdoor-Werbung, Public Viewing, Messe
Typische Entfernung: 10–100 m
Empfehlung: Pixel Pitch nach Abstand wählen (siehe oben).
Vorteil: Beliebige Größe, enorme Fernwirkung, auch bei Tageslicht sichtbar.


6. Weitere Kriterien: Content, Standort, Nutzerverhalten

  • Content: Je mehr Details (kleiner Text, komplexe Grafiken), desto höher sollten Auflösung und Pixeldichte sein.
  • Standort: Lichtverhältnisse, Montagehöhe, Blickwinkel und Umgebung beeinflussen die Wahl von Größe und Auflösung.
  • Nutzerverhalten: Interaktive Lösungen benötigen höhere Auflösung und Pixeldichte, da Nutzer sehr nah am Display arbeiten.

7. Praktische Tipps für die Auswahl

Schritt 1: Typische Betrachtungsabstände ermitteln

  • Wo stehen oder gehen die meisten Betrachter?
  • Sind es stehende, sitzende oder vorbeilaufende Nutzer?

Schritt 2: Anwendungszweck und Content definieren

  • Sind große, plakative Botschaften oder feine Details gefragt?
  • Wird das Display interaktiv genutzt?

Schritt 3: Passende Größe und Auflösung wählen

  • Tabelle und Faustregeln nutzen (s. o.).
  • Bei LED-Walls: Pixel Pitch nach minimalem Betrachtungsabstand auswählen.

Schritt 4: Testaufbau und Content-Vorschau

  • Vor dem Kauf: Testen Sie den gewünschten Content auf einem Demodisplay in der geplanten Größe und Entfernung.

8. Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

  • Zu kleines Display für große Räume: Inhalte gehen unter, werden nicht wahrgenommen.
  • Zu niedrige Auflösung bei kurzem Abstand: Pixel sind sichtbar, das Bild wirkt unscharf.
  • Zu hoher Pixel Pitch bei LED-Walls: Einzelne Pixel werden aus kurzer Distanz sichtbar, Schrift und Grafiken sind schlecht lesbar.
  • Falscher Content für die Entfernung: Zu kleine Schrift, zu detaillierte Grafiken – besser: plakative, klare Botschaften.

9. Zukunftstrends: MicroLED, 8K, adaptive Contentsteuerung

Mit neuen Technologien wie MicroLED, 8K-Auflösung und KI-gestützter Content-Anpassung werden die Möglichkeiten für Digital Signage noch vielfältiger. Dennoch bleibt die Grundregel: Die Auswahl des Displays muss immer zur Betrachtungssituation passen.


Fazit: Die richtige Balance finden

Die optimale Auswahl des Digital Signage Displays ist ein Zusammenspiel aus Größe, Auflösung und Pixeldichte – immer abgestimmt auf den Einsatzort, die Contentart und die typische Betrachtungsentfernung.

  • Kleine Displays profitieren von hoher Auflösung für Nahsicht und Interaktion.
  • Große Displays und LED-Walls entfalten ihre Wirkung durch Größe und angepassten Pixel Pitch – für beste Fernwirkung.

Wer diese Faktoren systematisch berücksichtigt, stellt sicher, dass seine Digital Signage Lösung nicht nur technisch, sondern auch kommunikativ überzeugt und die gewünschte Wirkung erzielt.


FAQ – Häufige Fragen zur Auswahl von Digital Signage Displays

Wie berechne ich die optimale Bildschirmgröße für meinen Standort?

Ermitteln Sie die typische Betrachtungsentfernung und nutzen Sie die Faustregel: Je 1 Meter Abstand mindestens 10 Zoll Bildschirmdiagonale. Für 3 Meter Abstand empfiehlt sich z. B. ein 32–43″ Display.

Was ist der Pixel Pitch und warum ist er bei LED-Walls so wichtig?

Der Pixel Pitch gibt den Abstand zwischen den einzelnen LEDs an. Je kleiner der Pixel Pitch, desto höher die Auflösung auf gegebener Fläche – und desto näher können Betrachter stehen, ohne einzelne Pixel zu erkennen.

Kann ich für den Nahbereich auch ein günstiges Display mit niedriger Auflösung verwenden?

Davon ist abzuraten, da bei kurzen Abständen niedrig aufgelöste Displays ein unscharfes, pixeliges Bild liefern. Für Touch- und Infoterminals sollte mindestens Full HD, besser noch 4K gewählt werden.

Wie wähle ich den richtigen Pixel Pitch für meine LED-Wall?

Nutzen Sie die Faustregel: Minimaler Betrachtungsabstand in Metern ≈ 1,5 x Pixel Pitch in Millimetern. Für 6 Meter Abstand wäre ein Pixel Pitch von ca. 4 mm ideal.

Was ist wichtiger: Größe oder Auflösung?

Beides muss im Verhältnis zur Entfernung stehen. Ein großes Display mit zu niedriger Auflösung wirkt unscharf, ein kleines Display mit sehr hoher Auflösung bringt keinen Mehrwert, wenn es aus großer Entfernung betrachtet wird.


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Kontaktieren Sie unser Expertenteam – wir beraten Sie individuell und helfen, die perfekte Digital Signage Lösung für Ihre Anforderungen zu finden.

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